Wandern gilt oft als die sanfteste Form von Bewegung, kaum der Rede wert, wenn es um Fitness oder Langlebigkeit geht. Dabei steckt darin ein Training, das Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit gleichzeitig fordert, ganz ohne Trainingsplan und ohne Fitnessstudio. Warum Wandern deshalb eines der unterschätztesten Longevity-Themen überhaupt ist, und was am Berg wirklich mit Körper und Kopf passiert, erfährst Du in meinem Bericht.
Nur langsames Spazierengehen? Von wegen.
Wandern ist doch nur langsames Spazierengehen, denkst Du. Genau das dachte ich auch lange. Wandern hat einfach schon immer zu meinem Leben dazugehört, deswegen habe ich es nie wirklich als sportliche Aktivität gesehen, eher als etwas, das man halt so macht. Hier in den Bergen merke ich gerade, dass das eigentlich ganz anders ist. Gestern sind wir aus Zeitdruck die erste Strecke ziemlich flott gewandert, kein gemütliches Schlendern, sondern zügig unterwegs. Und genau da wird mir klar, dass das tatsächlich ein richtig gutes Grundlagenausdauertraining ist, je nachdem wie schnell Du unterwegs bist, vielleicht sogar ein bisschen mehr als das.
Was am Berg alles gleichzeitig passiert
Was ich beim Wandern am Berg beobachte, ist, dass hier mehreres gleichzeitig passiert. Zum einen ist es für mich eine ungewohnte Umgebung. Das Laufen über Stein und Fels (eigentlich wollte ich Stock und Stein sagen, aber hier gibt es kaum Stöcke 😉 braucht eine ganz andere Aufmerksamkeit als Daheim auf der Rindenmulchbahn oder auf dem weichen Waldweg. Ausdauer wird gebraucht und beim Berg hinauflaufen braucht es natürlich auch Kraft. Genau hier merke ich, wie schön es ist, dass sich alles zusammenfügt. Das ganze Training im Fitnessstudio, die Grundlagenkraft, aber natürlich auch die Ausdauer, das passiert hier alles ganz natürlich.
Was aber noch dazukommt, ist der mentale Bereich, dieses Sich-selbst-Sortieren. Auch das ist toll zu beobachten, dass es erst eine gewisse Zeit braucht, bis es funktioniert. Bis die Gedanken durchgedacht sind und dann tatsächlich Ruhe im Kopf einkehrt. Und natürlich dieses Genießen, mal woanders zu sein. Die Berge: die ganze Energie hier zu spüren.
Eine tolle Kombination aus vielen Dingen. Genau deshalb ist Wandern kein Spaziergang, sondern ein ganzheitliches Training.
Warum Wandern und Spazierengehen sich bei mir vermischt haben
Vielleicht geht es Dir ja ähnlich, dass sich Wandern und Spazierengehen bei Dir auch irgendwie vermischt haben. Bei mir war es lange so, dass ich mit den Kindern von Stock zu Stock gehüpft bin und unter jeden Stein geguckt habe. Egal wie lang unsere Runde war, der Fokus ging in eine ganz andere Richtung. Manchmal brauchen Erkenntnisse seine Zeit. Denn jetzt wird mir in den Bergen bewusst, dass sich der Fokus verändert hat. Die Art der Bewegung ist jetzt ganz anders. Wir Laufen, um ans Ziel zu kommen, egal ob Hütte oder Bergkreuz. Wie schön 🥰

Ergänzend zu dieser Erkenntnis kommt, dass ich mittlerweile durch das vermehrte Training im Fitnessstudio regelmäßig eine Trackeruhr trage. Über den Puls ist mir ebenfalls bewusst geworden, dass Wandern tatsächlich eine wunderbare ganzheitliche Trainingseinheit darstellt.
Was eine Wanderung im unebenen Gelände mit Deiner Longevity zu tun hat
Was beim Wandern am Berg passiert, lässt sich in drei Säulen fassen, die zusammen genau das ausmachen, worauf es bei Longevity ankommt. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit: alle drei werden gleichzeitig gefordert, ganz ohne Trainingsplan.
Kraft, die eine Bergtour schenkt
Jeder Höhenmeter bergauf ist Krafttraining, ob Du es so nennst oder nicht. Die Beinmuskulatur arbeitet gegen das eigene Körpergewicht und gegen die Steigung, und das über eine viel längere Zeitspanne, als es ein einzelner Satz im Fitnessstudio je könnte. Bergab kommt eine andere Art von Kraft dazu, die exzentrische Arbeit1 der Muskulatur, die den Körper kontrolliert abbremst. Genau diese Form von Kraft ist es, die im Alltag später den Unterschied macht, ob Treppen selbstverständlich bleiben oder zur Herausforderung werden.
Nimm die nächste Bergabpassage bewusst langsamer, das ist der Moment, in dem die Beinmuskulatur am meisten arbeitet.
– Eva Zunft –
Ausdauer, die einfach entsteht
Grundlagenausdauer entsteht nicht durch kurze, intensive Einheiten, sondern durch längere Belastung im moderaten Bereich, genau das, was eine mehrstündige Wanderung liefert. Das Herz-Kreislauf-System wird über einen langen Zeitraum gefordert, ohne dass es sich wie ein Ausdauertraining im klassischen Sinn anfühlt. Für die Leistungsfähigkeit im Alltag ist genau dieser Bereich entscheidend, weil er die Basis bildet, auf der alles andere aufbaut.
Beweglichkeit, die sich beim Trekking steigert
Unebenes Terrain verlangt dem Körper ständig neue Anpassungen ab. Steine, Wurzeln, wechselnde Untergründe, jeder Schritt ist ein bisschen anders als der vorherige. Das trainiert Koordination und Gleichgewicht auf eine Weise, die ein gerader Weg oder ein Laufband nie könnte. Diese Anpassungsfähigkeit ist ein Faktor, der mit den Jahren oft zuerst nachlässt, und genau deshalb so wertvoll, wenn er erhalten bleibt.
Drei Säulen, ein Weg. Genau das macht Wandern zu einem Thema, das weit über den Urlaub hinausreicht, wenn man es einmal so betrachtet.
Der Kopf-Effekt: was die Bergtour mit meiner Energie macht
Hier in den Bergen zu sein, hat für mich zwei Effekte: Zum einen ist es die Abwechslung, dieses Herausgehen aus dem Alltag, was wirklich sehr wertvoll ist, um einmal abschalten zu können und alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Für mich persönlich ist es einfach das Energietanken. Ich bin so gerne in den Bergen, dass ich wirklich sofort einen Unterschied merke. Vielleicht liegt es daran, dass ich hier lebe. Vielleicht wäre es sonst das Flache oder die See. Aber Stand heute ist es so, sobald ich in die Berge komme, spüre ich diesen Kopf-Effekt, es tut mir einfach nur gut und bringt Energie.
Wie ich das mit nach Hause nehme
Was mir jetzt noch fehlt, ist die Übertragung in meinen Alltag. Wie kann ich diese Art des Wanderns zu Hause weiterführen, mit einem ähnlichen Effekt? Nicht nur als Urlaubsding, im Gegensatz dazu, dass ich zum Trainieren ins Fitnessstudio gehe oder hinten auf der Rindenmulchbahn trainiere? Ich merke, wie es mich freut, zu schauen, wo wir hier noch mehr unternehmen können. Zum Beispiel über die Hochgehwege. Die machen wir schon länger.
Allerdings: Mein Wechsel ist da, dass ich vom langsamen Spazierengehen den Fokus auf etwas Flotteres lege und trotzdem die Umgebung genieße. Ich werde Euch berichten.
Ein ganzheitliches Training, das sich nicht wie Training anfühlt
Wandern ist für mich also viel mehr geworden als nur eine nette Umschreibung fürs Spazierengehen. Es ist Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Kopf und Energie gleichzeitig, und genau das macht es zu einem Longevity-Thema, das ich lange nicht beachtet habe. Wenn Du wissen willst, wie sich das mit anderen Formen von Bewegung verbindet, findest Du auf meinem Blogartikel „Bewegung im Alltag„.

Wie es bei mir zu Hause weitergeht mit den Hochgehwegen, das erzähle ich Dir, sobald ich selbst mehr weiß.
LiEBE Deine Energie Eva 💞
- Was bedeutet eigentlich exzentrische Muskelarbeit?
Bei jeder Bewegung arbeitet der Muskel auf zwei Arten. Konzentrisch heißt, der Muskel zieht sich zusammen und wird kürzer, das passiert zum Beispiel, wenn Du bergauf gehst und die Beinmuskulatur Dich nach oben drückt. Exzentrisch ist das Gegenteil, der Muskel ist angespannt und wird trotzdem länger. Das passiert beim Bergabgehen, wenn die Oberschenkelmuskulatur bremst, damit Du nicht einfach den Hang runterfällst. Genau diese Art von Kraft ist es übrigens auch, die im Alltag später den Unterschied macht, ob Dir Treppen selbstverständlich bleiben. Mehr dazu, wie das mit Wandern zusammenhängt, findest Du im Artikel „Warum Wandern mehr Longevity-Thema ist als Du denkst“. ↩︎

